Jochen Distelmeyer



Balsam für verwundete Seelen: Mit Soul, Blues, Country, modernem R’n‘B und Eighties-Pop durchmisst Jochen Distelmeyer auf seinem neuen Album die gefühlten Wahrheiten unserer Zeit. „Gefühlte Wahrheiten“ ist ein Album darüber, wie es sich anfühlt, lebendig zu sein. Zwölf bestürzend schöne Lieder, in denen Distelmeyer vom Sich-Verlieren und Wiederankommen, vom babylonischen Stimmengewirr der sozialen Medien, von Sehnsucht und Begierde, gesellschaftlicher Spaltung und einer am Ende gelingenden und triumphierenden Liebe erzählt. Es schließt sich hier ein Kreis von Distelmeyers erstem Solo- Album „Heavy“ („Wohin mit dem Hass“), seinem Romandebüt „Otis“ und dem Coveralbum „Songs From The Bottom Vol. 1“. Selbst die Konzerte seiner Band Blumfeld der vergangenen Jahre sind Teile eines Werkzyklus, dessen offene Enden Distelmeyer mit „Gefühlte Wahrheiten“ nun zusammenführt.

Das Album beginnt mit dem eindringlichen Slow-Soul „Komm (so nah wie du kannst)“. In der Folge erinnert Jochen Distelmeyer dann immer wieder eindrucksvoll daran, dass es „jenseits von jedem“ und vor allem anderen kaum jemanden gibt, der so schöne, beglückende und wahrhaftige Liebes- und Liebeskummerlieder schreibt wie er. Kaum jemals hat indes selbst Distelmeyer ein so wunderbares geschrieben wie „Nur der Mond“: sechs Minuten wonniger Hingabe, die sich schließlich in einem Gitarrensolo direkt in die Unendlichkeit auflösen.

Ob mit „Hey Dear“, „Im Fieber“ oder „Tanz mit mir“: Jochen Distelmeyer breitet auf dem Album sein Herz aus. Er verklausuliert nichts, wählt immer den direkten Weg, ist mutig und unerschrocken, sein Vortrag ist ergreifend. Das gilt für den berückenden Blues „Manchmal“, mit dem Distelmeyer bereits ein erhabenes Alterswerk andeutet und in dem er von seinem Umzug nach Berlin vor über zehn Jahren erzählt und wie er sich in der Stadt fühlt; es gilt aber erst recht für „Nicht einsam genug“, ein elfeinhalbminütiges Erlösungslied, das einem Tränen in die Augen treibt und in seiner wahrhaftigen Schönheit seinesgleichen sucht.

„Gefühlte Wahrheiten“ ist so wenig typisch Deutsch, wie es nur geht. Diese Musik hat eine organische Tiefe, Reichhaltigkeit und unaufgeregte Präzision. Sie ruht in sich und ist wahrhaft meisterhaft gespielt und arrangiert – und das ist nicht zuletzt das Verdienst des Produzenten Swen Meyer, der auch schon Distelmeyers letztes, viel beachtetes englischsprachige Coveralbum „Songs From The Bottom Vol. 1“ produziert hatte.

Auf „Gefühlte Wahrheiten“ finden sich dann auch zum ersten Mal selbst komponierte englische Songs, mit „Gone Girl“, „The Reason“ und „Roads of Regret“. Die hatte Distelmeyer eigentlich für ein Country-Mixtape mit dem Titel „Songs for the Dark Age“ vorgesehen. Jetzt fügen sich diese Songs wunderbar in ein Album, dessen Traditionslinien von Blues über Soul bis zu modernem R’n‘B reichen. Jochen Distelmeyer gelingt noch immer und immer wieder die poetischste Verbindung von Pop, Poesie und Politik überhaupt. Vom scheinbar Banalen, Alltäglichen kommt er mit spielerischer Leichtigkeit in die großen Zusammenhänge und wieder zurück. Jochen Distelmeyer ist ein Gast, ein präziser Beobachter, der die Wirklichkeit mit meisterlicher Musikalität zum Swingen bringt.

Photocredit: Sven Sindt

Links

http://www.jochendistelmeyer.de

Am
22.09.2022

Einlass
19:00 Uhr

Beginn
20:00 Uhr

VVK
25 € zzgl. Geb.

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