Die Kölner Emo-Pop-Band Still Talk meldet sich mit einem großen Doppelschlag zurück: Ab heute sind die beiden neuen Singles „Year of the Cat“ und „Ghost“ überall verfügbar. Gleichzeitig kündigt die Band ihr zweites Studioalbum Year of the Cat an, das am 21. November 2025 über das befreundete Indie-Label hithome erscheint. Passend dazu startet im Januar 2026 die „Year of the Cat“-Headline-Tour mit Attic Stories aus Karlsruhe als Special Guest.
Ein neues Zuhause für Kreativität
„Wir hatten das Gefühl, wir mussten auch für das erste Album erst unser Studio fertig bauen, bevor wir anfangen konnten zu arbeiten – und diesmal war es wieder genauso“, erzählt Sängerin Tanja. „Fast wie ein Nest bauen, um uns dann darin kreativ entfalten zu können.“ Entstanden ist Year of the Cat im neu gebauten Studio der Band. Wieder mit an Bord: Produzent Domze Ehrl, mit dem Still Talk bereits ihr Debüt realisierten. „Dieses Mal haben wir ein paar Songs zum Mixing abgegeben – die Zusammenarbeit mit Brett Romnes und Tytus war richtig toll“, so Tanja. Die Band definiert das Album klar als Emo-Pop.
Zwei Singles, zwei Blickrichtungen
• „Year of the Cat“ thematisiert das Machtgefälle zwischen den Geschlechtern – in der Gesellschaft und in der Musikbranche. Der Song wechselt die Perspektive und lässt im Refrain und der Bridge die Stimmen derjenigen zu Wort kommen, die ihre Privilegien skrupellos ausnutzen. „Für Year of the Cat haben wir uns Brond von Just Friends dazugeholt – nicht nur, weil sie eine talentierte Sängerin ist, sondern auch eine richtig starke, tolle Frau. Die Zusammenarbeit war richtig inspirierend“, sagt Tanja.
• „Ghost“ ist ein sehr persönlicher Song, der in der Zeit entstand, als Tanja nach vielen Jahren die Pille absetzte. „Die Auswirkungen auf meinen Körper und meine mentale Verfassung haben mich teilweise total aus der Bahn geworfen und zu viel Verwirrung geführt. Es war schwer, mich zu spüren, mich zu fassen. Und viel öfter als sonst habe ich mich total unsicher gefühlt.“ „Es ist witzig, dass Ghost, der Song, in dem ich nach innen schaue, am Ende der aggressivere geworden ist“, lacht Tanja. „Year of the Cat klingt weicher und poppiger, obwohl er nach außen blickt und eine klare Botschaft hat.“
Themen: Veränderung, Identität & Verbundenheit
Viele Songs auf Year of the Cat sind in einer Zeit entstanden, in der Tanja mit großen persönlichen Veränderungen konfrontiert war. In „Ghost“, „Blacking Out in TKMaxx“, „Don’t Make Me Feel Like a Lobster“ und „All About Me“ verarbeitet sie die emotionalen und physischen Auswirkungen dieser Phase.
Auch das Thema Familie zieht sich durch das Album. „Little Lungs“ greift die Geschichte von Tanjas Großmutter auf, die im Kindesalter ihren Vater in einem sinnlosen Krieg verlor. In „I Speak Your Language“ geht es um ihren Bezug zur Herkunft: „Als ich nach Deutschland zog, habe ich – ohne viel darüber nachzudenken – völlig verändert, wie ich spreche: vom Dialekt hin zum Hochdeutsch. Wenn ich zur Familie fahre, merke ich, dass da diese ganz andere Ausdrucksweise ist, die ich in- und auswendig kenne, aber manchmal völlig vergesse, wenn ich in Köln bin. Für mich geht das viel tiefer als nur die Worte – es ist die Art, Probleme anzugehen. Aber die örtliche Distanz macht es oft schwerer, wirklich zu connecten und die verschiedenen Lebensrealitäten zusammenzubringen.“
„Hard Ache“ und „World of Talkcraft“ beschreiben den Bandalltag zwischen Ehrgeiz, Zweifeln und großen Träumen: „Für uns ist es das Schönste, in unserem eigenen Studio Songs zu schreiben, zwischendurch nebenan ins Café zu gehen und davon zu träumen, wie unser Leben aussehen könnte. Die beiden Songs feiern unseren Spirit und unsere Vision, und wie wir als Band immer mehr zu einer Familie, einer Einheit zusammenwachsen.“
Mit „Not Like That“ findet sich auch ein klassischer Herzschmerz-Song auf dem Album: „Einfach, weil ich mit Zurückweisung und Ablehnung so schlecht umgehen kann und die in mir so lange nachhallt.“
Warum Year of the Cat?
„Ich schreibe immer darüber, was mich gerade beschäftigt – oft ohne vorherigen Plan oder Konzept“, erzählt Tanja. 2024, dem Entstehungsjahr des Albums, habe sich besonders viel verändert. „Unter anderem haben Micha und ich innerhalb von sechs Wochen unsere beiden Katzen verloren. Seit ich meine erste eigene Wohnung in Köln hatte, war Toulousi, einer der beiden Cats, an meiner Seite. Er hat mich durch dick und dünn begleitet und war vor allem immer eins: mein Ruhepol. Meine Entspannung, wenn ich nach Hause gekommen bin. Mein Gefühl für Zuhause hat sich total verändert, nachdem die beiden weg waren.“
Für Tanja steht Year of the Cat für Veränderung, das Aufarbeiten alter, verborgener Themen und die großen Fragen: „Was will ich von diesem Leben? Was macht mich glücklich? Was erfüllt mich? Wie finde ich meinen Platz in dieser Welt?“
„Year of the Cat war erst nur ein Arbeitstitel von Micha für eine seiner Riffideen. Je mehr ich drüber nachgedacht habe, desto mehr Sinn hat dieser Titel für mich gemacht. Und alles mit Cats ist sowieso cool. Auch wenn eigentlich 2023 das Jahr der Katze war.“
© Gideon Rothmann